Bilanz der Aktion “Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen”

Mehr Hilfesuchende als im Vorjahr

Größer und länger als heuer kann das Oktoberfest nicht sein: 18 Wiesntage auf der großen und auf der „Oiden Wiesn“ sind nun fast vorbei. Auch am Security Point für Mädchen und Frauen wurden die Größe und die Länge des Festes in Zahlen messbar: 2017 suchten insgesamt 254 Mädchen und Frauen in der Anlaufstelle Hilfe – 38 mehr als im Vorjahr (2016: 216 Klientinnen). Ganz ähnlich wie in den vergangenen Jahren überwogen die Fälle von präventiver Hilfeleistung (s.u.); 12 Mädchen und Frauen suchten den Security Point aufgrund von erlebter Gewalt auf. Weiterhin hatte das Team Kontakt zu 112 Begleitpersonen wie Angehörigen, Freund*innen, Partner*innen, etc. (2016: 59).

Handtasche geklaut, Handyakku leer, Gruppe verloren – präventive Hilfeleistungen am Security Point

Die Gründe am Security Point Hilfe zu suchen sind vielfältig: In etwa der Hälfte aller Fälle (53%) hatten die Wiesnbesucherinnen ihre Reisegruppe, ihren Partner (ihre Partnerin), ihr Mobiltelefon oder andere Wertgegenstände verloren. In diesen Fällen leisteten die Mitarbeiterinnen oft nicht nur hervorragende „Detektivarbeit“, um die verlorenen Personen oder Wertgegenstände wieder zu finden, sondern gewährleisteten einen sicheren Heimweg z.B. durch Begleitungen, Ausleihe von Geld und Kleidung oder Fahrdienste. Zahlreiche Frauen konnten aufgrund der erneut sehr gelungen Zusammenarbeit mit dem Münchner Taxiunternehmen IsarFunk einen sicheren Heimweg antreten. Klientinnen, die ihr Portemonnaie verloren hatten oder beklaut worden waren, ermöglichte IsarFunk darüber hinaus kostenfreie Fahrten ins Hotel oder nach Hause.

(Sexuelle) Gewalt und emotionale Krisen als Beratungsanlass

Doch leider gingen die verschiedenen Notsituationen nicht immer glimpflich aus: 12 Mädchen und Frauen wurden von den Fachberaterinnen aufgrund von erlebter Gewalt auf dem Festgelände beraten (2016: 18). In 5 Fällen waren die Frauen von sexueller Gewalt betroffen. Es handelte sich um verschiedene Formen, angefangen bei „Grapschen“ und Grenzverletzungen bis hin zu schwereren sexuellen Übergriffen. 7 weitere Besucherinnen erlebten Partnerschaftsgewalt oder körperliche Gewalt durch Fremde auf dem Festgelände. Gerade in diesen Fällen war das Team des Security Points besonders gefordert. Nach einer ersten Stabilisierung der betroffenen Frauen ging es vor allem um die Klärung der Situation, die Organisation eines sicheren Schlafplatzes und Heimwegs sowie um professionelle Nachsorgemöglichkeiten. Neben den bereits genannten Beratungsanlässen wurden weitere 46 Mädchen und Frauen aufgrund von Alkoholmissbrauch unterstützt und beraten. In 61 Fällen waren andere Auslöser der Grund für eine Beratung, hierunter fielen u.a. auch zahlreiche emotionale Krisen aufgrund verschiedener Lebensereignisse (z.B. Ende der Partnerschaft, Tod eines nahestehenden Menschen), psychische Vorerkrankungen (wie Depressionen und Suizidalität), sexuelle Gewalt in der Vergangenheit sowie der Missbrauch von Medikamenten oder illegalen Drogen.

Eine warme Decke, ein Gespräch und ein sicherer Heimweg

640 Hilfeleistungen wurden heuer für die 254 Klientinnen erbracht. Neben (Kurzzeit-)Beratungen leistete das Team in 106 Fällen Recherche, versorgte 60 Klientinnen mit Kleidung, Decken, Regenschirmen oder Geld (z.B. für ein Zugticket), begleitete 145 Mädchen und Frauen zur U-Bahn, Treffpunkten oder anderen Institutionen, fuhr 14 Wiesnbesucherinnen nach Hause, kümmerte sich in 47 Fällen um eine Nachsorge und leistete 14 weitere unterstützende Maßnahmen.

Besonders jüngere Frauen und Touristinnen benötigten Hilfe

So international wie in den Festzelten ging es auch am Security Point zu: Die Hälfte aller Hilfesuchenden kamen aus dem Ausland (127 Frauen). Dementsprechend fanden zahlreiche Beratungsgespräche auf Englisch statt (44%). Dabei stellten Besucherinnen aus den USA die bei weitem größte Gruppe dar: mit 42 Klientinnen machten die Amerikanerinnen rund 17 Prozent aller Hilfesuchenden aus. Aus der Landeshauptstadt nahmen 36 Mädchen und Frauen das Angebot in Anspruch, die übrigen Klientinnen kamen aus anderen deutschen Städten auf das Oktoberfest. Ähnlich wie in den Vorjahren benötigten vor allem jüngere Frauen Hilfe und Unterstützung: 81% der Hilfesuchenden waren unter 30 Jahre alt. Die älteste Klientin zählte stolze 82 Jahre.

Kooperationspartner*innen vor Ort

Erneut wurde ein Großteil der Klientinnen zum Security Point vermittelt. Vor allem das Bayerische Rote Kreuz (in 60 Fällen) und die Polizei (in weiteren 58 Fällen) und die verschiedenen Security Dienste (in 36 Fällen) vermittelten die Mädchen und Frauen weiter. Weitere 35 Hilfesuchende wurden von couragierten Wiesnbesucher*innen oder von Mitarbeiter*innen des Oktoberfestes direkt zur Anlaufstelle begleitet. 30 Mädchen und Frauen kamen selbstständig zum Security Point – deutlich mehr als in den Vorjahren. Meist kannten sie das Angebot über das Pausenhofprojekt der Aktion (ein Angebot an Schulen in München und im Umland im Vorfeld der Wiesn), über die breite Öffentlichkeitsarbeit oder aus den Medien.

 

Eine gemeinsame Aktion  von AMYNA e.V., IMMA e.V. und dem Frauennotruf München

Unterstützt von der Landeshauptstadt München sowie der Stiftung „Hänsel + Gretel“, dem Landratsamt München und zahlreichen weiteren Sponsorinnen und Sponsoren


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