Jahresbericht 2016 der „Sicheren Wiesn“

Nein heißt Nein – auch auf der Wiesn!

„Da müsste man ja auf der Wiesn jeden zweiten Mann festnehmen“, heißt es immer wieder, wenn über die Reform des Sexualstrafrechts und das Oktoberfest gesprochen wird. Denn künftig ist das Prinzip „Nein heißt Nein“ im Strafrecht verankert, das bedeutet, dass jede sexuelle Handlung strafbar ist, die gegen den „erkennbaren Willen“ einer Person vorgenommen wird. Zu diesen sexuellen Handlungen zählen nun  auch ein Klaps auf den Po, ein ungewollter Kuss oder der dreiste Griff ins Dirndldekolleté. Nein heißt Nein – auch auf dem Oktoberfest!

Vielen erscheint die Wiesn eine Art „moralfreie Zone“ zu sein, ganz nach dem Motto: Hier ist alles erlaubt – wem das nicht gefällt, der bzw. die muss halt zuhause bleiben. Auf der Wiesn – so die Haltung – sind die Grapschereien, sexuelle Beleidigungen und Belästigungen so zahlreich und der Aufwand dagegen vorzugehen, so immens, dass man lieber wegschaut und die Verantwortung (wieder einmal) auf die Betroffenen überträgt.

Gerade diese Haltung ist es aber, die bei vielen Betroffenen Scham- und Schuldgefühle auslöst. Während die Gesellschaft auf der Wiesn für die Täter gern mal beide Augen zudrückt, wird die Schuld für einen Übergriff häufig bei betroffenen Mädchen und Frauen gesucht: Ihre Kleidung, ihr Verhalten, ihr Alkoholkonsum werden ihnen zur Last gelegt. Sexuelle Gewalt wird bagatellisiert, Übergriffe verharmlost. An die Mädchen und Frauen, die diese Form von Gewalt erleben, scheinen nur wenige zu denken.

Die Gesetzesreform wird sicher nicht all die kleinen und großen Übergriffe auf dem Oktoberfest verhindern – aber deren Beschluss  setzt ein eindeutiges Zeichen für die Betroffenen. Wir freuen uns über diese Entwicklungen und arbeiten auch selbst immer weiter daran, den Schutz von Mädchen und Frauen zu verbessern und Betroffene zu unterstützen.

 

Neben diesem Text unserer Titelseite finden sich in unserem Jahresbericht auch viele Informationen zur Bilanz des Oktoberfestes 2016, Informationen zur Betreuung von Touristinnen sowie unsere vielfältigen Maßnahmen der Prävention.

Der Jahresbericht steht zum Download hier bereit.


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