Bilanz der Aktion „Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen“

Gleichbleibend großer Hilfebedarf von Mädchen und Frauen

Auch heuer fanden wieder zahlreiche Wiesnbesucherinnen Hilfe und Unterstützung am Security Point. Insg. 237 Mädchen und Frauen stand das Team während des Oktoberfestes in Problem- und Krisensituationen zur Seite. Zum Vergleich: Im Vorjahr wurden insg. 257 Klientinnen am Security Point betreut. Allerdings war das Oktoberfest 2017 zwei Tage länger als in diesem Jahr. An den ersten 16 Oktoberfest-tagen im letzten Jahr registrierte die Aktion  insg. 231 hilfesuchende Besucherinnen. Somit ist der Bedarf leicht angestiegen.

Ähnlich wie in den vergangenen Jahren überwogen die Fälle von präventiver Hilfeleistung; 14 Mädchen und Frauen suchten den Security Point aufgrund von erlebter Gewalt auf. Weiterhin hatte das Team Kontakt zu 107 Begleitpersonen wie Angehörigen, Freund*innen, Partner*innen, etc.

Freund*innen verloren, Handtasche geklaut, Handyakku leer – präventive Hilfeleistungen am Security Point

Die Gründe am Security Point Hilfe zu suchen sind vielfältig. „Wir haben zahlreiche Klientinnen betreut, die beispielsweise ihre Reisegruppe, ihre/n Partner*in oder auch ihr Mobiltelefon verloren hatten und die Freund*innen nicht wiederfinden konnten“, berichtet Theresa Schmeisz (Beratungsstelle Frauennotruf München). Mit 133 Fällen solcher oder ähnlicher Verluste machten diese Beratungsanlässe rund 56% der gesamten Problemlagen aus.

Gerade diese Situationen machen eine Unterstützung äußerst notwendig, da die betroffenen Frauen stark in ihrer Eigenschutzfähigkeit eingeschränkt sind und alleine oftmals keinen sicheren Heimweg antreten können.

Die Mitarbeiterinnen des Security Points leisteten in diesen Fällen zunächst „Detektivinnen-arbeit“, um die verlorenen Personen, Wertgegenstände oder die Adresse des Hotels etc. wieder zu finden. Außerdem organisierten sie für die Wiesnbesucherinnen einen sicheren Nachhauseweg z.B. durch Begleitungen, Ausleihe von Geld und Kleidung oder Fahrdienste. Zahlreiche Klientinnen konnten aufgrund der erneut sehr gelungenen Zusammenarbeit mit dem Münchner Taxiunternehmen IsarFunk einen sicheren Heimweg antreten. Klientinnen, die ihr Portemonnaie verloren hatten oder beklaut worden waren, ermöglichte IsarFunk darüber hinaus kostenfreie Fahrten ins Hotel oder nach Hause.

(Sexuelle) Gewalt und emotionale Krisen als Beratungsanlass

Doch leider gingen die verschiedenen Notsituationen nicht immer glimpflich aus: 14 Mädchen und Frauen wurden von den Fachberaterinnen aufgrund von erlebter Gewalt auf dem Festgelände beraten (2017: ebenfalls 14). In 8 Fällen waren die Frauen von sexueller Gewalt betroffen. Es handelte sich um verschiedene Formen, angefangen bei „Grapschen“, ungewollten Küssen und anderen Grenzverletzungen bis hin zu schwereren sexuellen Übergriffen. 6 weitere Besucherinnen erlebten Partnerschaftsgewalt oder körperliche Gewalt durch Fremde auf dem Festgelände.

Gerade in diesen Fällen war das Team des Security Points besonders gefordert. Nach einer individuellen Versorgung und Stabilisierung, ging es vor allem um die Klärung der Situation, die Organisation eines sicheren Schlafplatzes und Heimwegs sowie um professionelle Nachsorgemöglichkeiten. „Die emotionale Verarbeitung eines Übergriffs braucht Zeit. Professionelle Unterstützung ist in diesem Prozess für die Betroffenen sehr wichtig“, erklärt Theresa Schmeisz.

Neben den bereits genannten Beratungsanlässen wurden weitere 23 Mädchen und Frauen aufgrund anderer emotionaler Krisen am Security Point beraten. Hierbei handelte es sich zum Beispiel um erlebte sexuelle Gewalt in der Vergangenheit, psychiatrische Vorerkrankungen (wie Depressionen oder Ängste) oder die Behandlung eines Angehörigen wegen einer (z.T. schweren) Verletzung in der Ambulanz auf dem Oktoberfest.

34 Mädchen und Frauen benötigten Hilfe aufgrund von Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenmissbrauch. In 2 Fällen bestand der Verdacht auf die unwissentliche Einnahme von K.O.-Tropfen.

Besonders Touristinnen und jüngere Frauen benötigen Hilfe

So international wie auf der Festwiese ging es auch am Security Point zu: Rund 55% aller Hilfesuchenden kamen aus dem Ausland (129 Frauen). Dementsprechend fanden mehr als die Hälfte aller Beratungsgespräche auf Englisch oder anderen Sprachen statt. Dabei stellten Besucherinnen aus den USA die bei weitem größte Gruppe (35 Hilfesuchende), gefolgt von Australien (21), Kanada (8), Brasilien (8) und Italien (6). Aus der Landeshauptstadt nahmen 48 Mädchen und Frauen das Angebot in Anspruch (20%), die übrigen Klientinnen kamen aus anderen deutschen Städten auf das Oktoberfest.

Ähnlich wie in den Vorjahren benötigten vor allem jüngere Frauen Hilfe und Unterstützung: Rund 70% der Hilfesuchenden waren unter 30 Jahre alt. Die älteste Klientin zählte stolze 75 Jahre.

Hilfe durch Beratung, Recherche, Begleitung und Fahrdienste

569 Hilfeleistungen wurden heuer für die Klientinnen erbracht. Neben 237 (Kurzzeit-) Beratungen leistete das Team in 89 Fällen Recherchearbeit, versorgte 50 Klientinnen mit Kleidung, Decken, Regenschirmen oder Geld (z.B. für ein Zugticket), begleitete 148 Mädchen und Frauen zur U-Bahn, Treffpunkten oder anderen Institutionen, fuhr 18 Wiesnbesucher-innen nach Hause, kümmerte sich in 19 Fällen um eine Nachsorge und leistete 8 weitere unterstützende Maßnahmen.

Kooperationspartner*innen vor Ort

In einer Notlage finden viele Wiesnbesucherinnen nicht selbstständig den Weg zum Security Point. Zahlreiche Klientinnen wurden zu der Anlaufstelle begleitet oder an das Team vermittelt. Vor allem die Aicher Ambulanz (in 78 Fällen), die Polizei (in 62 Fällen) und die verschiedenen Security Dienste (in 24 Fällen) vermittelten Mädchen und Frauen weiter. Weitere 35 Hilfesuchende wurden von couragierten Wiesnbesucher*innen oder von Mitarbeiter*innen des Oktoberfestes begleitet.

An dieser Stelle möchte sich das Team ganz herzlich für die erneut großartige Zusammenarbeit mit den anderen Diensten und Behörden auf dem Oktoberfest bedanken.

 

Eine gemeinsame Aktion  von AMYNA e.V., IMMA e.V. und dem Frauennotruf München

Unterstützt von der Landeshauptstadt München sowie der Stiftung „Hänsel + Gretel“, dem Landratsamt München und zahlreichen weiteren Sponsorinnen und Sponsoren


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