Bilanz der Aktion “Sichere Wiesn”

Security Point verzeichnet deutlichen Anstieg der Hilfesuchenden

Deutlich höhere Nachfrage als im Vorjahr

Der Trend der ersten Oktoberfestwoche setzt sich auch bis zum Ende der Wiesn hin fort: Deutlich mehr Mädchen und Frauen suchten Hilfe am Security Point als im Jahr zuvor. Insg. 299 Besucherinnen nahmen das Angebot der Anlaufstelle in den 16 Wiesntagen wahr. Im Jahr zuvor erhielten insg. 234 Frauen Hilfe und Unterstützung. Dies bedeutet einen Anstieg um 28 Prozent.

Der Anstieg ist zum einen durch die erweiterten Öffnungszeiten zu erklären (12 Fälle). Der Security Point hatte heuer erstmals auch an den Freitagen sowie am 2.10. und 3.10. bereits ab 15 Uhr geöffnet. Vor allem vermittelte aber dieses Jahr  der Sanitätsdienst Aicher Ambulanz (109 Fälle) und die verschiedenen Security Dienste (46 Fälle) vermehrt Besucherinnen in Notlagen an den Security Point. Auch die Polizei verwies erneut zahlreiche Mädchen und Frauen weiter (56 Fälle). Besonders erfreulich ist außerdem, dass sich deutlich mehr Besucherinnen selbstständig an die Anlaufstelle wandten. Während 2018 insg. nur 4 Frauen aktiv zum Security Point kamen, fanden dieses Jahr 32 Besucherinnen selbstständig den Weg in die Anlaufstelle.

Der Anstieg in den verschiedenen Bereichen ist nicht nur auf die intensive Öffentlichkeitsarbeit im Vorfeld der Wiesn zurückzuführen, sondern auch auf die äußerst gelungenen Kooperationen mit den verschiedenen Organisationen vor Ort. An dieser Stelle möchte sich das Team ganz herzlich für die erneut großartige Zusammenarbeit mit den anderen Diensten und Behörden auf dem Oktoberfest bedanken.

Sexuelle Gewalt als Beratungsanlass

26 Mädchen und Frauen wurden während des diesjährigen Oktoberfestes am Security Point aufgrund erlebter Gewalt beraten. 20 Klientinnen hatten verschiedene Formen von sexueller Gewalt erlebt. 6 weitere körperliche Gewalt durch Fremde oder Partnerschaftsgewalt. Im Vorjahr gab es insg. 14 Gewaltfälle (9 Mal sexuelle Gewalt, 5 Mal körperliche Gewalt). Das bedeutet einen Anstieg von etwa 85 Prozent. Es handelte sich dabei um verschiedene Formen, angefangen bei „Grapschen“, ungewollten Küssen und anderen Grenzverletzungen bis hin zu schweren sexuellen Übergriffen.

Gerade in diesen Fällen waren die Mitarbeiterinnen besonders gefordert. Nach einer ersten Klärung der Situation, ging es vor allem um eine individuelle Versorgung, Stabilisierung und Beratung, und anschließend um die Organisation eines sicheren Schlafplatzes und Heimwegs sowie um professionelle Nachsorgemöglichkeiten.

Zeitintensiv waren außerdem insg. 30 Fälle, in denen andere psychische Krisen Auslöser für den Beratungskontakt waren. Hierbei handelte es sich zum Beispiel um erlebte sexuelle Gewalt in der Vergangenheit, sexuellen Missbrauch in der Kindheit oder psychiatrische Vorerkrankungen.

Unterstützung bei einem sicheren Heimweg

Neben den bereits genannten Gründen gab es zahlreiche weitere Anlässe, Hilfe am Security Point zu suchen. Oftmals stand auch dieses Jahr die Sicherung des Heimwegs im Vordergrund. 113 Besucherinnen suchten die Anlaufstelle auf, da sie ihre Freund*innen, Partner*innen oder die Reisegruppe verloren hatten, weitere 20 vermissten wichtige Wertgegenstände (wie Mobiltelefon, Portemonnaie, Ausweisdokumente etc.), die nötig waren, um sicher nach Hause oder ins Hotel zu kommen. Das Team vor Ort unterstützte die Besucherinnen mit verschiedenen Maßnahmen dabei, die verlorenen Personen, Wertgegenstände oder die Adresse des Hotels etc. wieder zu finden. Außerdem organisierten die Mitarbeiterinnen für die Klientinnen einen sicheren Nachhauseweg z.B. durch Begleitungen, Ausleihe von Geld und Kleidung oder Fahrdienste. Dank des Münchner Taxiunternehmens IsarFunk konnten zahlreiche Frauen sicher und kostenfrei nach Hause gelangen.

37 Mädchen und Frauen benötigten Hilfe aufgrund von Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenmissbrauch. In 4 Fällen bestand der Verdacht auf die unwissentliche Einnahme von K.O.-Tropfen. 69 Mal kamen Klientinnen aufgrund sonstiger Anlässe in die Anlaufstelle.

Weiterhin hatte das Team Kontakt zu 110 Begleitpersonen wie Angehörigen, Freund*innen, Partner*innen, etc.

Besonders Touristinnen und jüngere Frauen benötigen Hilfe

Vor allem Touristinnen aus dem Ausland benötigten Unterstützung durch das Team vor Ort. Insg. 142 Frauen aus 26 Ländern konnten am Security Point beraten und begleitet werden. Dabei machte die Gruppe der US-Amerikanerinnen mit insg. 48 Fällen den deutlich größten Teil aus. Weitere 16 kamen aus Australien, jeweils 8 aus Kanada und Österreich.

Aus der Landeshauptstadt nahmen 80 Mädchen und Frauen das Angebot in Anspruch, die übrigen Klientinnen kamen aus anderen deutschen Städten auf das Oktoberfest.   Ähnlich wie in den Vorjahren benötigten vor allem jüngere Frauen Hilfe und Unterstützung: Fast 70 Prozent der Hilfesuchenden waren unter 30 Jahre alt. 29 waren minderjährig, die jüngste Klientin war 14 Jahre, die älteste Hilfesuchende 81 Jahre.

 


Eine gemeinsame Aktion  von AMYNA e.V., IMMA e.V. und der Beratungsstelle Frauennotruf München

Unterstützt von der Landeshauptstadt München sowie der Stiftung „Hänsel + Gretel“, dem Landratsamt München und zahlreichen weiteren Sponsorinnen und Sponsoren


‹ zurück zur Startseite

Teile diesen Beitrag